Die Mutter deines Freundes steht den ganzen Nachmittag für eine maqlooba in der Küche und stellt sie dir dann hin. In der höflichen Antwort, die man darauf reflexartig gibt, steckt das Wort für „Hände“. tislam 'iydeek, sagst du zu ihr: Gesegnet seien deine Hände.
So ist das mit Körperwörtern. Sie leben in Redewendungen und Grüßen, viel mehr als beim Arzt. Lern sechs davon, und du hast schon einen Fuß in einem Dutzend Alltagsausdrücken. Hier sind sie, vom Kopf bis zum Kinn.
Die sechs auf einen Blick
| Deutsch | Singular | Genus | Plural |
|---|---|---|---|
| Kopf | raas | m | roos |
| Hand / Arm | f | 'iydeen | |
| Auge | f | e3yoon | |
| Herz | m | qloob | |
| Zahn | sinn | m | |
| Kinn / Bart | daqen | f | selten |
Ein Hinweis, bevor du weiterliest. und sind beide weiblich, obwohl keins von beiden auf das übliche weibliche -a endet. Bei vielen paarigen Körperteilen ist das so, also lass dich von der Schreibung nicht täuschen.
raas: der Kopf
raas ist der Kopf, männlich, der Plural heißt roos. Das Wort begegnet dir spätestens beim ersten Mal, wenn du Kopfschmerzen hast und zeigen und jammern musst.
Seinen eigentlichen Wert hat der Kopf aber in einer ganz bestimmten Wendung. Wenn dich jemand um einen Gefallen bittet und du sagen willst „klar, gern“, antwortest du , wörtlich „auf meinem Kopf und meinem Auge“. Das klingt herzlich und ein bisschen altmodisch, und du hörst es überall. Zwei Körperteile in einem Atemzug, und beide kennst du schon aus der Tabelle.
'eed: Hand und Arm
Hier ein kleines Geschenk: heißt sowohl Hand als auch der ganze Arm. Ein Wort weniger zu lernen. Was gemeint ist, ergibt sich aus dem Zusammenhang, und meistens ist der Unterschied sowieso egal.
Es ist weiblich, und der Alltagsplural heißt 'iydeen. Damit sind wir wieder beim Anfang. Wenn jemand für dich kocht, etwas repariert oder deine Taschen trägt, ist die feste Antwort tislam 'iydeek, „mögen deine Hände heil bleiben“. Die Hände haben die Arbeit gemacht, also segnest du die Hände. Das geht an jedem Tisch hin und her, gleich neben den anderen Sätzen zwischen Gastgeber und Gast.
3een: das Auge und die Quelle
ist das Auge, weiblich, Plural e3yoon. Es fängt mit dem Kehllaut an, der als 3 geschrieben wird und für den es im Deutschen keinen Buchstaben gibt. Wenn du darüber immer wieder stolperst, erklärt der Ratgeber zur Umschrift genau, was 3 und 7 von deiner Kehle wollen.
Etwas Schönes zum Merken: Dasselbe Wort, 3een, heißt auch Wasserquelle. Deshalb fangen so viele palästinensische Ortsnamen damit an. Ein Ort, der um eine Quelle herum gebaut ist, heißt 3ein-irgendwas, und wenn dir das Muster einmal aufgefallen ist, siehst du es überall auf Straßenschildern.
Das Auge steht außerdem für pure Zuneigung. Nennst du jemanden ya 3eeni („oh mein Auge“), ist das zärtlich gemeint, ungefähr wie „Schatz“ im Deutschen. Und es ist die zweite Hälfte von 3a raasi w 3eeni von vorhin. Dein Auge ist etwas Kostbares, wenn du es hergibst, ist das ein großes, warmes Ja.
Alles doppelt: der Dual
Hände und Augen kommen paarweise, und das Palästinensische hat für „zwei von etwas“ einen praktischen Trick, sodass du die Zahl fast nie allein sagst. Du hängst die Dualendung -een an das Substantiv. (Der Ratgeber zum Zählen erklärt diese Endung ausführlich.)
Genau das ist 'iydeen. Es bedeutet „zwei Hände“ und ist trotzdem einfach das normale Wort für Hände. Bei Augen hörst du meistens den Plural e3yoon, wenn du Augen allgemein meinst, aber „meine beiden Augen“ heißt , mit derselben -een-Endung. Kopf und Kinn bekommen das natürlich nicht. Davon hast du ja nur eins.
qalb: das Herz
ist das Herz, männlich, Plural qloob. Wie im Deutschen steht es für das Organ und für das Gefühl.
Sagst du min qalbi, „von Herzen“, meinst du es aufrichtig, ganz ohne Höflichkeitsschicht obendrauf. Und wenn du sagen willst, dass jemand gutherzig ist, sagst du, sein Herz ist weiß: qalbo abyaD. Ein weißes Herz ist ein reines, da sitzt nichts Dunkles drin.
sinn und daqen: Zähne und Kinn
Zwei noch zum Abschluss. sinn ist ein Zahn, männlich, und den Plural wirst du tatsächlich brauchen, weil man sich selten über einen einzelnen Zahn beschwert. waja3 'asnaan sind Zahnschmerzen, und die gehören wirklich in die Praxis.
daqen ist Kinn und Bart zugleich, je nachdem, was da gerade wächst. In den Plural setzt du es kaum. Dafür hängt eine herrliche Redewendung daran: Di7ek 3a daqno, „er hat über seinen Bart gelacht“, also: Er hat ihn hereingelegt und dumm dastehen lassen. Wenn dir das nächste Mal jemand eine Geschichte auftischt, die du ihm nicht abkaufst, weißt du: Er wollte über dein Kinn lachen.