Stell dich im sooq von Nablus an einen Obststand und sag zu dem Mann biddi tuffaa7. Damit hast du nach Äpfeln gefragt. Nicht nach einem Apfel, und eine Zahl hast du auch nicht genannt. Du hast nach Äpfeln gefragt, dem ganzen roten Haufen.
Das Wort ist kein Plural, so wie „Äpfel“ im Deutschen einer ist. Es meint die Sache an sich, Äpfel als Kategorie, und das Palästinensische behandelt es wie ein einziges männliches Ding. Du willst über einen einzelnen reden? Dann hängst du ein kleines -a an und bekommst , einen Apfel. Dieser eine Schritt, von der Masse zum einzelnen Stück, zieht sich durch die Hälfte der Essenswörter, die dir auf dem Markt begegnen.
Drei Wörter in einem
Nimm irgendeins dieser Lebensmittel, und du hast eigentlich drei Formen übereinander.
Erstens die Masse. heißt Äpfel allgemein, der Haufen, die Idee von Äpfeln. Danach fragst du, und das wird gewogen. Gezählt wird es nicht.
Zweitens das einzelne Stück. Häng das weibliche -a an (dieselbe Endung, die auch sonst überall ein weibliches Nomen markiert), und du ziehst ein Stück aus dem Haufen: , ein einzelner Apfel.
Drittens der gezählte Plural. Aus der Einzelform baust du einen ganz normalen Plural auf -aat, den du nimmst, sobald du wirklich zählst: talat tuffaa7aat, drei Äpfel.
tuffaa7 ist also die Masse, tuffaa7a einer davon und tuffaa7aat eine gezählte Handvoll. Ein nacktes tuffaa7aat klingt übrigens nur halb fertig. Die Form auf -aat will eigentlich eine Zahl vor sich haben.
Ein ganzes Regal davon
Hast du das Muster einmal gesehen, taucht es überall auf. Links die Masse, rechts eins davon.
| die Masse (danach fragst du) | ein Stück | Bedeutung |
|---|---|---|
| Apfel | ||
| beeDa | Ei | |
| zeetoon | zeetoona | Olive |
| shajar | Baum | |
| Samen / Korn |
Schau dir die letzte Zeile an. heißt ein einzelnes Korn oder ein Samen, ist aber auch das Alltagswort für „ein Stück von“, und darauf wirst du dich oft stützen. Gleich mehr dazu.
Manche Lebensmittel bleiben Masse
Nicht alles lässt sich in Stücke teilen. Ein paar Wörter sind Masse und sonst nichts, weil man von der Sache nie ein einzelnes Stück zählen würde:
- la7me, Fleisch. „Drei Fleische“ gibt es nicht. Du kaufst es nach Gewicht.
- , Milch, gibt es flaschen- oder literweise.
- ist Gemüse, das ganze grüne Angebot, und bleibt Singular, auch wenn du schon eine volle Tüte hast.
Weil die Masse als ein männliches Ding zählt, bleibt jedes Adjektiv dazu männlich und im Singular, egal wie groß der Haufen ist. Eine ganze Kiste Äpfel ist immer noch it-tuffaa7 (die Äpfel sind teuer), Singular bis zum Ende. Das fühlt sich anfangs komisch an. Das legt sich schnell.
Zum Zählen brauchst du das Stück
Hier die praktische Trennlinie. Für eine ungefähre Menge nimmst du die Masse. Sobald eine Zahl dazukommt, wechselst du zum einzelnen Stück.
Von drei bis zehn verliert die Zahl ihre Endung, und das Stück bekommt den Plural auf -aat (die Zählregeln stehen in eins bis zehn): Aus talaate wird talat tuffaa7aat, drei Äpfel, und aus khamse wird khams beeDaat, fünf Eier.
Für genau zwei sagst du überhaupt keine Zahl. Stattdessen bekommt das Stück die Dualendung, zwei Äpfel heißen also tuffaa7tein und zwei Eier beeDtein.
Und wenn du nach „wie viele“ fragst, will kam danach das einzelne Stück im Singular, nie den Plural. „Wie viele Äpfel?“ heißt deshalb kam ?, mit der Einzelform, obwohl du ganz klar einen Korb voll erwartest.
Hat ein Lebensmittel kein ordentliches Wort für ein Stück, rettet dich . Damit zählst du fast alles stückweise. Zeig auf etwas und sag 7abbe wa7de, und du hast nach einem davon gefragt, was auch immer es ist.
Am Stand
Zusammengesetzt läuft ein Einkauf auf dem Markt meistens in zwei Gängen.
Frag mit biddi nach der Masse, dem Allzweck-„ich will“ (das seinen eigenen Ratgeber hat): biddi tuffaa7. Lieber nach Gewicht? Selbes Prinzip, du nennst einfach das Kilo: keelo tuffaa7. Dann fragst du qaddeesh il-keelo (mehr zu Preisen hier).
Willst du dagegen eine genaue Zahl, lass die Masse weg und zähl mit dem Stück: talat tuffaa7aat für drei, beeDtein für schnell mal zwei Eier. Wenn die beiden Gänge sitzen, gibt dir der Mann am Stand genau das, was du gemeint hast.