Sag zu jemandem in Ramallah, und du bekommst es gleich zurück. Sag es mit einem weichen deutschen h, wo eigentlich die 7 hingehört, und man versteht dich trotzdem. Dein Akzent verrät sich aber in genau dieser einen Silbe.
Palästinensisches Arabisch hat zwei Laute, die es im Deutschen schlicht nicht gibt (im Englischen übrigens auch nicht). Wir schreiben sie mit Zahlen, 3 und 7, weil kein lateinischer Buchstabe auch nur in die Nähe kommt. Beide sitzen tief im Hals, und Anfänger machen mit ihnen eins von zwei Dingen: Sie lassen sie weg, oder sie ersticken sie unter einem normalen h. Lern sie zu bilden, und ein großer Teil deines Akzents sortiert sich von selbst. Nimm sie dir einzeln vor.
Warum Zahlen und keine Buchstaben
Das ganze Tfaddalu-Schreibsystem kommt mit einfachen Buchstaben aus, gelesen wie im Englischen, mit zwei Ausnahmen. Der Buchstabe ع hat kein Gegenstück, und er sieht zufällig aus wie eine gespiegelte 3, also wurde er zu 3. Beim Buchstaben ح ist es dasselbe, und 7 ist die ähnlichste Form, die es gibt. Die Großbuchstaben S, D, T, Z waren schon für die emphatischen Konsonanten vergeben, also bekamen die beiden Kehllaute die einzigen Zeichen, die niemand mit einem Buchstaben verwechseln kann: Ziffern.
Eine Sache gleich vorweg. Die 3 ist nicht der Apostroph. Der Apostroph ' ist ein Knacklaut, der kleine Stopp, den du im Deutschen in „be-achten“ zwischen be und achten machst. Die 3 ist ein voller Kehllaut, gebildet mit eingeschalteter Stimme. Anderer Laut, anderes Zeichen, nicht durcheinanderbringen.
7: ein enges Pressen, oben im Hals
7 ist ح, und von den beiden lässt es sich leichter annähern. Hauch eine kalte Fensterscheibe an, bis sie beschlägt. Dieses offene, hauchige h ist dein Ausgangspunkt. Jetzt mach es noch mal, aber drück den oberen Teil deines Halses zusammen, sodass sich die Luft durch einen schmalen Spalt zwängen muss. Es kommt rau heraus, fast geflüstert. Diese Enge ist der ganze Laut. Ein ch wie in „Bach“ ist es übrigens nicht, das schreiben wir kh.
Es ist stimmlos, deine Stimmbänder brummen also nicht. Nur gepresste Luft. Hör es dir am Anfang, in der Mitte und am Ende dieser Wörter an:
- : Milch
- : hallo
- : die Rechnung
- : lieben
- : Morgen
Das letzte endet auf 7, und genau da lassen Lernende den Laut gern ausklingen und verlieren ihn. Sag langsam und drück den letzten Atem durch die Enge. (Das kleine u vor der 7 ist ein Hilfsvokal, den Palästinensisch einschiebt, um die Konsonantengruppe aufzubrechen. Mehr dazu unter warum es Subu7 heißt.)
3: ein tieferes Zusammenziehen, weiter unten
3 ist ع, und an dem geben viele auf. Es sitzt tiefer im Hals als die 7, und es ist stimmhaft, deine Stimmbänder laufen also die ganze Zeit mit.
So kommst du rein. Fang ein leichtes Husten an, oder den allerersten Moment beim Schlucken, und halt genau in dem Augenblick an, in dem sich dein Hals zusammenzieht. Jetzt lass deine Stimme durch diese Enge weiterlaufen, statt loszulassen. Dieser gepresste, leicht gewürgte Vokal ist die 3. Es fühlt sich an, als würdest du sprechen, während jemand sanft auf deine Luftröhre drückt. Am Anfang unangenehm. Das ist normal.
- : ich habe
- : Stunde, Uhr
- : vier
- : Straße
- : gern geschehen
Bei den ersten zehn Zahlen triffst du die 3 ständig: (vier), (sieben), (neun). Drei von zehn hängen daran.
Die h-Falle, und wie du die beiden auseinanderhältst
Leg eine Hand flach an deinen Hals und sag ein deutsches „aah“. Spürst du das Brummen? Das ist Stimme. Jetzt sag die beiden Laute direkt hintereinander.
| Laut | Stimmhaft? | Schnelltest |
|---|---|---|
7 | nein | nur Atem, kein Brummen unter deiner Hand |
3 | ja | dein Hals brummt die ganze Zeit |
In die Falle tappen fast alle Lernenden: Sie machen aus der 7 ihr eigenes weiches h und lassen die 3 ganz weg (oder setzen einen Knacklaut ein). Dann wird aus „marhaba“ und aus „indi“. Beides versteht man, und beides klingt sofort fremd.
Die Lösung ist alles andere als subtil. Übertreib. Lass die 7 rauer kratzen, als es dir höflich vorkommt, und lass die 3 mehr pressen, als dir lieb ist. Anfänger bleiben bei diesen Lauten immer zu zaghaft, wer zu doll zielt, landet also ungefähr richtig.
Laut weg, Wort anders
Diese Laute tragen Bedeutung. Wegrasieren kannst du sie nicht, und der deutlichste Beweis ist ein Paar winziger Wörter, die sich nur im Kehllaut unterscheiden:
- : niemand
- : außer
ija heißt also „niemand kam“, und kullhum ijo waa7ad heißt „alle kamen außer einem“. Dieselben Vokale, derselbe Rhythmus. Tausch die 7 gegen die 3, und aus „niemand“ wird „außer“.
Auch wenn kein Zwillingswort auf dich lauert, hinterlässt ein weggelassener Laut einfach ein Loch. ohne seine 3 ist „saaa“, und das ist gar nichts. (mein Alter, mein Leben) ohne die 3 kommt nicht mal in Gang. Der Kehllaut hält das Wort zusammen.
Also stütz dich drauf. Wenn dein Hals nach der ersten Runde und ein bisschen wehtut, machst du es richtig.